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Ursache - Grösse des menschlichen Hirns

Das Buch "Philosophie und Wirklichkeit" hat zum Ziel aufzuzeigen, wie unser tägliches Leben immer mehr ausser Rand und Band gerät und wir nicht mehr in der Lage sind, diese Wirklichkeit mit unserem philosophischen Gedankengebäude zu erklären. Doch damit ist noch gar nichts erklärt über die Ursache dieser Tatsache. Es muss eine Erklärung geben, weshalb die Spezies Mensch in diese Situation geraten konnte.

Bei einem Spaziergang mit meiner Freundin Rita am Nationalfeiertag der Schweiz, als wir von all den Petarden und Raketen unserem Hund Leon zuliebe in ein Flusstobel flüchteten, entwickelten wir zusammen folgende Gedanken zur Grundursache dieses desaströsen Vorgangs, diese Wirklichkeit, die uns umgibt, nicht mehr verstehen zu können und immer mehr in ein reales Chaos des Seins abzugleiten.

Kein Tier verfügt über ein dermassen grosses Gehirn wie wir Menschen. Es ermöglichte eine Entwicklung, deren Wirkung uns total entglitten ist: die technologische Revolution, die Entwicklung von Maschinen, Informationssystemen, die Einführung von Geld- und Machtsystemen, die gar nicht mehr kontrollierbar sind, selbst wenn der Konsens bestehen würde unter allen Menschen, dass wir diese Systeme unter Kontrolle bringen wollen. Es kann und wird nicht gehen.

Ursachen und Wirkungen


Es ist ein Kreuz mit der Wahrnehmung der Menschen: Alle reden sie nur von den Wirkungen irgendeines Verhaltens, die Ursachen sind offenbar kein Thema mehr. Schlimmer: Wer die Wirkungen zu Ursachen hochstilisiert, begibt sich geistig hinunter auf ein Boulevardniveau des Denkens und merkt es nicht einmal. Fast kein Mensch ist mehr fähig, die Zusammenhänge und alle Wirkungen des Lebens auf ein früheres Verhalten oder einen ursächlichen Auslöser zurückzuführen. Es ist eben viel einfacher, sich über die Wirkungen von Tatsachen zu ereifern, als sich um die Ursprünge zu kümmern, die diesen Wirkungen vorausgehen. Erst wer ursächlich denken kann, ist in der Lage, die Schwere eines Zustandes oder die Ursachen-Wirkungs-Kette in der Weltgesellschaft so zu verstehen, dass daraus ein komplexes Weltbild entsteht, das nicht völlig der Realität widerspricht. Sogar die Medien sind allgemein überfordert. Vor allem die Boulevard-Medien leben davon, dass sie sich ständig herrlich aufregen und mit diesem Verhalten und ihrer Darstellung der Geschehnisse eine gewaltige Leserschaft verdummen können. Nie wird nach den Ursachen geforscht, weil diese intellektuelle Forschung viel zu kompliziert sei und daher kein Schwein interessiere. Solange nicht hieb- und stichfest wissenschaftlich bewiesen ist - meinen diese dummen Meinungsmacher - woher das Waldsterben, BSE,  AIDS, das Ozonloch, die Klimaveränderung, die Lungenkrankheiten in Metropolen usw. kommen, solange kann viel Geld verdient werden an falschen Aufgeregtheiten, können Schuldige gefunden und verurteilt werden, die weder schuldig noch verurteilbar sind.

Warum Schachmeister keine Genies sind

Wir sind meist der Meinung, dass die Weltelite der Schachspieler sehr intelligent sei. Das ist ohne Zweifel richtig. Es braucht höchste Intelligenz, um Tausende von Spielsituationen zu memorisieren und jederzeit in der Lage zu sein, auf jeden Zug des Gegners einen noch besseren Zug zu erfinden. Doch wie ist die ganze Komplikation entstanden? Indem seit Jahrhunderten Schach gespielt wird und alle berühmten Eröffnungen, Züge, Konstellationen und Schlussspiele festgehalten worden sind, ist für Spontaneität während des Spiels nicht mehr viel Platz. Ganz im Gegenteil. Ein Schachspieler wird dann Weltmeister, wenn er möglichst viele Spiele memorisiert hat und seine Gehilfen, die Computer-Schachroboter und seine Schachassistenten, vorzu jeden möglichen Zug vorsondieren. Und dies geschieht nur wieder dadurch, dass gleiche Konstellationen von früher her bekannt sind und man deshalb "weiss", welche Züge die erfolgversprechendsten sein würden.

Das menschliche 'Recht'

Kürzlich musste ich eine Arbeit erledigen im Konferenzraum eines Wirtschaftsrechtsanwaltes in Zürich. Zwei lange Wände waren vollgepflastert mit einer Bibliothek, die fast nur Fragen des Rechts, hauptsächlich des schweizerischen und des deutschen Rechts und zusätzlich internationale Rechtsnormen, betrafen. Ich nahm einen riesigen Band aus dem Regal, den ich kaum tragen konnte und las: "Kurzkommentar zum Internationalen Personenrecht", ein Schmöker von etwa 3000 Seiten. Ich fragte mich unwillkürlich, wie denn ein Langkommentar aussehen würde. Wahrscheinlich würde jener das ganze Bücherregal allein verstellen. Mir graute es für einen Moment und ich schauderte, wie von einem kalten Windhauch erfasst und erahnte plötzlich, wohin wir gekommen sind mit der menschlichen Rechtssprechung.

Im Laufe der Zeit der Menschheitsentwicklung ist ein riesiges, endlos ausuferndes Rechtssystem entstanden, um die Reststellung der Menschen zu regeln, wenigstens jener Menschen, die über genügend Geld verfügen, um Recht zu bekommen. Alle anderen sind somit recht eigentlich rechtlos und armselige Trottel der freien Verfügbarkeit. In diesem Sinne, und dies ahnte ich schon lange bei meinen Besuchen in fernen "exotischen" Ländern in Asien und Afrika, leben die meisten Menschen in einem rechtsfreien Raum und versuchen, so vor sich hin zu vegetieren, dass sie nirgends Anstoss erregen, vor allem nicht bei den Mächtigen, die das Recht auf ihrer Seite wissen. So gesehen bekommt das Rechtssystem der Welt plötzlich einen anderen Anschein, eine Fragwürdigkeit, deren Schärfe kaum in Worte zu fassen ist. Meine Gedanken hier sind nur ein schwacher Versuch, mich rechtlich auf die Seite der Deprivierten zu stellen.

Was ist falsch mit der Psychoanalyse?

Immer wenn ich von der Entwicklung der Geschichte der Psychoanalyse höre, beschleicht mich ein seltsames Gefühl. Gestern wieder bei einer Dokumentarsendung über die Lebensgeschichte des Sigmund Freund, des "Erfinders" der Psychoanalyse, der Traumdeuterei, des Oedipuskomplexes, der Couch, der Sexphantasien der Kinder und der Erwachsenen, der hysterischen Frauen und der depressiven Männer, kurz all dessen, was da im Oberstübchen des Menschen nicht so ganz funktioniert, wie es sich der Normalverbraucher des Hirns eigentlich vorstellt.

Was nur ist das Geheimnis, ob die ganze Theorie der Psychoanalyse eben stimmt oder gar nicht stimmt und vielleicht gar ein fundamentaler Denkfehler, eigentlich eine Denkkatastrophe ist? Als Mensch, der schon selbst auf der Couch lag und sich wunderte, dass seine Traumdeuterei so gar nichts brachte und eigentlich erst die Pillen eine Eindämmung von Depressionen und Angstzuständen brachten, müsste ich eigentlich ein heisser Verfechter der Analyse des menschlichen Hirns und seiner Gedanken sein.

Psycho-Slang und Betroffenheit

Zum Ende des zweiten Jahrtausends hin wurde eine neue Redensweise geschaffen, die sich in deutscher Sprache wie folgt anhört: "Ich vertrete dezidiert die Meinung, dass ich mich von dieser Situation persönlich betroffen fühle, weil ich mit ihr nicht umgehen kann. Ich spüre mich nicht mehr und mein Bauch sagt mir, dass ich meinem Ego viel zu wenig Beachtung geschenkt habe. Ich sollte mit den Gefühlen der anderen besser umgehen können, dann würde mein Karma um vieles erleuchteter werden und ich hätte meine schlechten Lebensgefühle positiv bewältigen können. Doch eigentlich stimmt's für mich total, ich weiss, wo ich stehe. Man muss eben loslassen können, sich keine Sorgen machen, leben  und mit sich selbst umgehen können."

Vor so viel Ergriffenheit der Sprache muss ich mich jetzt zurückziehen, denn meine Sprachgewalt ist diesen Ergüssen in keiner Weise gewachsen. Ich fühle mich plötzlich sprachlich von allen guten Geistern verlassen. Niemand, wirklich niemand, redet mit mir heutzutage noch normal, alle haben diesen ungeheuer einfältigen Slang drauf. Als Alternative kann man sich auch darauf verlegen, sich auf die lebenslustigen, megageilen Sprachspiele der Jugendlichen einzulassen und den frohmachenden Lifestyle der dümmsten Art in der Geschichte zu verinnerlichen, um dann nur noch in der Sprache der Pubertären zu reden.

Physiognomie von Potentaten

Soeben ist eine Studie erschienen über die Physiognomie von Hitler und dem Bemühen seiner Zeitgenossen, über sein Gesicht das Rätsel zu lösen, wie ein derartig ausgestalteter Mensch es überhaupt dahin bringen konnte, Machthaber über eine Kulturnation zu werden. Was mir am meisten auffällt, ist die ungeheure Vielfältigkeit, wie ein und dasselbe Gesicht je nach Betrachter die verschiedensten Assoziationen auslösen kann: Jesus Christus, ein Monster, ein Biedermann, eine Totenmaske der schönen Art, ein Schizophrener, ein Jude, ein Anti-Arier, ein Gutmensch, ein unbeherrschter, dummer Machtmensch, ein verklärter Schöngeist, der alle Menschen um sich herum verzaubern kann, ein Charmeur, ein Arsch mit Ohren usw. Der letzte Ausdruck stammt von mir, denn ich habe Hitler nie und zu keinem Zeitpunkt anders wahrgenommen als einen "Arsch mit Ohren", wobei ich diesen Ausdruck nicht etwa im übertragenen Sinn verstehe wie ein blöder Mensch, den man aufgrund seiner Taten und der Historie hassen muss. Nein, ganz wörtlich zu verstehen: Immer wenn ich dieses Gesicht sah, auf Photos oder während seiner Tiraden oder wenn er an einem Kind im Arm rumschmuste, kam diese Assoziation: das ist physisch ein Arsch, mit dem Mund als Arschloch, behaart, mit wilden und unkontrollierten Augen, die die bösen Gedanken förmlich in die Kameras schleuderten und eben, aussen vor die Ohren. Nichts lässt die behauptete Edelkeit erahnen, alles ist eine Anklage für das wachsame Auge und alarmiert alle noch klaren Sinne. Wenn nun dieser Mensch am Randstein hocken und betteln würde, nähme man das wahre Ausmass seiner inneren Erbärmlichkeit voll wahr. Nur durch Machtgewinn konnte er aller Welt vortäuschen, dass man nicht einem Albtraum gegenüber sass, also einem heruntergekommenen Maler, der durch politischen Zufall unermessliche Macht erhalten konnte und deshalb von aller Welt respektiert und überhöht anders wahrgenommen wurde, als er wirklich war.

Totalitarismus

Cohn-Bendit und der neue Totalitarismus


Cohn-Bendit befürchtet in Europa das Entstehen einer totalitären Gesellschaft, wenn nicht erkannt wird, wie sehr der Anschlag aus dem islamischen Raum auf das kapitalistische Denken eben auf Totalitarismus des Glaubens und Denkens der Terroristen um Bin Laden basiert und kriegerisch zu bekämpfen ist. Diese Theorie ist nachvollziehbar und es war richtig, einen derartigen Anschlag zu korrigieren, indem mit Macht zurückgeschlagen wird und dem Regime der Talibans in Afghanistan der Garaus gemacht wird zum Vorteil aller: der Amerikaner, der Afghanen und auch des Islams. Wir dürfen keine totalitären und religiös verabsolutierten Regimes mehr zulassen in der Welt, das hat Cohn-Bendit richtig erkannt.

Doch was er alles nicht sehen will in dieser Analyse, sind die folgenden Tatsachen:

1.         Sind die USA mit ihrem antiökologischen und neoliberalen Weltbild nicht auch ein totalitäres Regime, das zum Widerspruch reizt? Ist eine Supermacht, die letzte, die uns geblieben ist, tabu? Ist sie keine Gefahr für die Menschheit? Ist die Ideologie des Kapitalismus der Art, wie sie die USA vertreten, langfristig nicht ein Untergangsszenario und somit das Totalste, das es überhaupt geben kann in dieser Welt? Ohne Ressourcen, ohne Geld, nur mit Börsenpapier, das immer wertloser sein wird, kann keine Menschheit weiter leben - in Zukunft.

2.         Ist es wirklich absolut undenkbar, dass der Terroranschlag in New York nicht auch etwas zu tun hat mit den Herabsetzungen der Völker des Islam und ihrer Kultur und Interessen, also all jener Völker (und nicht nur dieser!!), die im arabischen Raum leben ohne Juden oder Christen zu sein? Wie würden wir reagieren, wenn wir gegen unseren Wunsch amerikanische Truppen im Land hätten und unsere religiösen, kulturellen und politischen Gebräuche und Strukturen mit arroganter Überheblichkeit mit Füssen getreten würden?

Künstliche Intelligenz

Vor allem in den USA wird wie wahnsinnig am Versuch gearbeitet, Computer so zu programmieren, dass sie eine Art von künstlicher menschlicher Intelligenz von sich geben. Es gibt keinen Zweifel: Irgendeinmal wird es gelingen, das ganze „lexikalische“ Wissen der Menschheit einem Computer einzugeben in einer Weise, dass er in zusammenhängender Weise diese Begriffe miteinander in Beziehung setzen kann und so immer weiter voranschreitet in einer Art von menschlichem Denken. Um dem Ganzen den Deckel aufzusetzen, werden dann die Maschinen weiter vermenschlicht, indem sie in Körper eingebaut werden, die weitgehend einem Menschen gleichen und sie werden mit den Augen funkeln und mit den Ohren hören und einem Mund sprechen und wie ein Mensch gehen und der lebende Mensch wird immer weniger verstehen, dass er eigentlich nur einer Maschine gegenübersteht.

Doch diese Aussicht ist nicht die eigentliche Gefahr. Ist doch alles nur intellektuelle Spielerei der dummen Denkart von Freaks, die an die Technologie glauben wie an einen Gott und davon überzeugt sind, dass es der Menschheit hilft, wenn wir Maschinen erzeugen, die wie Menschen denken können, nur allenfalls viel schneller und viel logischer als der Mensch selbst. Wenn schon Schachcomputer die Schachweltmeister besiegen können, sagen sich diese Gottesvertreter des reinen Maschinenverstandes, dann können wir auch ein Universum schaffen, wo uns die Maschine das ganze Sein der Welt diktiert, weil doch diese Maschine inzwischen viel intelligenter geworden ist als das intelligenteste Genie dieser Technologiewelt des blanken Wahnsinns. Nur etwas haben diese Dummköpfe der Machbarkeit nicht bedacht: Was ist sie eigentlich, die menschliche Intelligenz? Ist sie so grossartig, dass sie künstlich potenziert werden soll und was geschieht, wenn diese Potenzierung gelingt? Vielleicht beginnt man nun endlich etwas zu denken und sich von der amerikanischen Einfalt zu lösen. Wozu haben wir ein kulturelles und ethisches Erbe, wenn wir uns einer Maschine untertan machen wollen? Einer Maschine, die uns mit Sicherheit in die Selbstzerstörung und in den Wahnsinn treiben wird?

Wir haben es bei allem Wissen nicht schaffen können:

1.         Zu wissen, was Gott, was Ewigkeit und was Unendlichkeit ist, zu wissen, was Leben ist, nicht biologisch, sondern philosophisch verstanden.

Experimente mit dem Erbgut


Die Wissenschaftler erklären sich zu Göttern, während der wahre Gott mit ihnen spielt wie mit Kegeln auf der Bowlingbahn. Das sieht man, wenn die wissenschaftliche Diskussion in den Medien ganz falsche Wege geht. Aber auch im wissenschaftlichen Diskurs irren die Macher in Bezug auf die Verarbeitung von Genmaterial des Menschen (aber auch der Tiere), der Frage des Klonens, der künstlichen Lebensverlängerung, der medizinischen Anwendung von Genmaterial und Stammzellen. Ethiker denken sich die Hirne wund im Bemühen zu erklären, wo die Grenzen der Machbarkeit sein sollten und welche Zukunft uns bevorsteht auf diesem Wissenszweig. Zwei Lager stehen sich wie immer diametral gegenüber: auf der einen Seite die Machbarkeitsfanatiker, die wie immer gewinnen werden, auf der anderen Seite die ethischen Skeptiker, die wie immer ein endloses Rückzugsgefecht leisten werden und am Schluss irgendwelche dummen Ausreden finden, warum das Ganze trotzdem von Nutzen sein soll.

So war es mit allen wissenschaftlichen Erfindungen. Vom Auto über das Flugzeug, die Kernkraft und die Biologie des Machbaren. Immer ist der Mensch am Schluss das Opfer seines Hirns und seines Wissens. Er kennt die Grenzen im wahrsten Sinne der Wortes nicht, weder diejenigen der Machbarkeit noch diejenigen des Denkens. Eine Auto kann gesehen werden als nützliches Fortbewegungsmittel. Doch in der Masse der Anwendung ist das Auto nichts anderes als eine raffinierte Vergasungsmaschine, die  sich des Mobilitätsdrangs der Menschen bemächtigt, um die Welt der Selbstvernichtung infolge Schädigung des Klimas, Unatembarkeit der Luft und Verlustes der während Milliarden von Jahren gebildeten Ressourcen zuzuführen. Das gleiche gilt eigentlich für sämtliche wissenschaftlichen "Errungenschaften" der Menschheit und keine Ethik oder Moral hat diesen Wahnsinn je zum Stoppen gebracht. Im Gegenteil: Heute, wo wir das Endresultat schon sehr gut erkennen können, ist der Höhepunkt der Massenvernichtung noch nicht erreicht und wir streben immer noch einem neuen Klimax entgegen.

Die Sonne

Es war eine schwüle und heisse Sommernacht. Ich erwache schweissgebadet. Wie üblich, kurz vor dem Sonnenaufgang, hatte ich von Dingen geträumt, die ich nicht beherrsche, wie zum Beispiel Ordner, die ständig verschwinden, Kunden, die am Tisch sitzen und warten, dass ich etwas sage und da kommt kein Ton heraus, Autos, die im Kreis rumfahren und kein Ziel finden und auch ich habe vergessen, wo das Hotel ist und muss nun ewig.... wie gesagt, der übliche Albtraum vor dem Erwachen. Ich schwitze wie verrückt und halte deshalb die Beine ins Freie vor das offene Fenster. Draussen dämmert es schon und ein frischer Luftzug weht herein und kühlt den heissen Körper. Es wird immer heller und im Wandspiegel weichen die Dämmerung und das Grau einem Dunkelrot und allmählich wird die Himmelsfarbe immer gelber und heller. Doch erstaunlich: Dieser Einfluss der Sonne und der Wärme auf die Erde bewirkt, dass die Bodenluft angehoben wird, den Aussenwänden des Hauses empor kriecht und mit aller Macht als kalter Windhauch ins Zimmer stürzt wie ein Wasserfall. Langsam fröstelt es mich, ich ziehe die Beine wieder unter die Decke an die wohlige Wärme und versuche noch etwas zu schlafen.

Stattdessen stürmen plötzlich neue Gedanken auf mich ein: Kurios, wie diese weit entfernte Sonne so direkt auf mein Wohlbefinden einwirken kann. Auf mein Wohlbefinden? Nein: Die ganze Erde, alle Luft- und Wassermassen werden in Bewegung gehalten von dieser Sonne, die Verdampfung der Meere, die Wolkenbildung, der Regen, die Stürme, die Trockenheiten, die Oktankatastrophen, das ganze Klima wird bewegt von diesem kleinen heissen Kügelchen im Weltall, das für uns Menschen in einer Entfernung liegt, die wir uns eigentlich noch nie genau vorstellen konnten. Und da verändert sich der Blickwinkel plötzlich und ich stelle mir vor, wie die Erde von der Sonne aus wahrgenommen wird. Also, wenn die Sonne nicht heiss wäre, sondern ein grosser Planet, dann würde man die Erde von dort aus kaum wahrnehmen. Etwa so, wie wir die Venus des Nachts im Sternenrund sehen. Und natürlich wäre die Erde immer im Licht, denn die Nacht und der Tag werden nicht von der Sonne gemacht, sondern durch die Erdumdrehung erzeugt. Ebenso sind die Jahreszeiten kein Resultat der Sonne, sondern zu erklären durch die schiefe Aufhängung der Erde in ihrer ungleichen Bahn um die Sonne im Lauf eines Jahres, was Sommer, Herbst, Winter und Frühling - und in zeitlicher Abfolge je nach Lage auf der Erde unterschiedlich - provoziert.