Grosses Erstaunen zu Beginn des Jahres 2001: Die Börsenkurse purzeln ins Bodenlose, die Indexe des New Market, der Titel für die Phantasten der New Technology, verlieren mehr an Wert, als an Aktienwerten in der ganzen Börsengeschichte je vernichtet worden ist. Ganze Manager-Etagen werden von anderen Unfähigen in die Arbeitslosigkeit geschickt, wo diese sich sammeln zu neuen Heldentaten. Verwaltungsräte, die Mist gebaut haben, treten in corpore zurück unter Hinterlassung von Investitionsleichen und stürzenden Kursen eigener Aktien, nachdem sie sich jahrelang gesund gestossen haben an den ihrem Personal weggestohlenen Honoraren. Spezialistentrupps der Beraterfirmen werden in die Wüste geschickt und dürfen mit Klagen gegen ihre zu hohen Beratungsgelder rechnen, nachdem sie die zu beratenden Gesellschaften in die Irre des Grössenwahnsinns gebracht haben. Andere noch nicht Betroffene geben Interviews in den Zeitungen und blähen sich auf, dabei hatten sie bisher nur Glück, dass sie von der eigenen Blödheit noch nicht eingeholt worden sind, und alle, alle machen mit bei diesem Wahn kollektiver Selbstverblödung, aufgrund einer Situation, die keiner kommen sah, doch von der alle nun wissen wollen, warum und wie es geschehen konnte.
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Kapitulation des Kapitalismus
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus war klar, dass das einzige lebensfähige Wirtschaftssystem der Welt der Kapitalismus sein würde, und zwar ein hochmoderner Kapitalismus, gesteuert von neoliberalen Gedanken mit der Möglichkeit, den Markt zu deregulieren, zu globalisieren und zu privatisieren. Diese Theorie des Machbaren wird zum Ende des Kapitalismus führen. Er steht kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch. Die Beweisführung für diese Behauptung ist höchst einfach. Beginnen wir mit einem kleinen Beispiel aus dem täglichen Wirtschaftsleben:
In der heutigen Tagesschau am Schweizer Fernsehen (22. November 2001) wurde propagiert, dass sogenannte "Billigflieger" es allen nationalen Fluggesellschaften vorzeigen würden, wie man mit einfachsten Mitteln rentabel fliegen könne. Die Rezepte sind: Kauf von immer gleichen Flugzeugtypen als Gebrauchtflieger von anderen Fluggesellschaften zu unrealen Konditionen (im Vergleich zu neuen Maschinen), Benützung von schon finanzierten Infrastrukturen, Auslastung aller Sitze zu jedem Preis durch das Abwerben von Passagieren zum Schaden von anderen Fluglinien, tiefe Löhne, einfachste Verwaltungsapparate, Überstundenleistungen als Selbstverständlichkeit, Stress, Schweiss und Tränen usw., ein wahres Horrorprogramm der Wirtschaftlichkeit für die kommenden Jahre.
Privatisierung der Landschaften
Seit vielen Jahren gehe ich gelegentlich mit Freundin und Hund in der Nähe des Klosterdorfes Einsiedeln auf einen kleinen Bergpass, genannt "Katzenstrick", im Winter zum Schlittenfahren und im Sommer als Ausgangspunkt zum Wandern. Immer war es leicht, das Auto gleich auf der Passhöhe zu parken, neben dem Weg hatte es genügend Platz. Von hier aus überblickte man das ganze Tal mit den Schwyzer Alpen in der Ferne, den Sihlsee links hinten, umrahmt von Wäldern und Wiesen unterhalb der hohen Felsspitzen und schliesslich das wunderschöne Dorf mit Kirche und Kloster Einsiedeln - ein Idyll der einzigartigen Art. Dann rasten wir mit den Schlitten den Bergweg hinunter, Hund Leon hinterher und beim Wiederaufstieg bestand er immer darauf, einen der Schlitten selbst an der Schnur ziehen zu dürfen, da war er gewaltig Stolz auf seine Leistung. Im Sommer noch konnte man verschiedene Windrichtungen wählen und verschieden gestaltete Landschaften: moorähnliche Ebenen oder den steilen Anstieg zu einem Bauernhaus und von da immer höher bis zu einer kleinen Anhöhe, wo das Bänklein bei einer einsamen Berghütte zum Verweilen und Bewundern der landschaftlichen Pracht weit unten und in der Ferne einlud.
Steuer-CHAOS
Kürzlich hörte ich eine Radiosendung, die tief in die Vergangenheit abrutschte, in eine Zeit, als die Bauern noch einen "Zehnten", also einen Zehntel ihres Arbeitsertrages, den "gnädigen Herren" in den Schlössern und Herrschaftshäusern abgeben mussten. Mit der Revolution der Franzosen änderte nur die Habitude der Geldeintreibung, jedoch nicht die Notwendigkeit, dem Staat Geld abzuliefern, damit die öffentlichen Aufgaben finanziert werden konnten, nur wurde jetzt alles übersichtlicher und demokratischer geregelt, denn man konnte über die Höhe der Steuerabgaben und die Einführung neuer Steuern oder Abgaben demokratisch "mitbestimmen".
Doch der Graben zwischen den ewigen Nörglern gegen den Staat und jenen anderen, den "guten" Staatsbürgern, die die Notwendigkeit einer öffentlichen Verwaltung für Gesundheit, Bildung, Altersschutz, Verkehr, Verwaltung, Juristik, Bevölkerungsschutz, Energie, Sozialwesen usw. einsahen, blieb bestehen bis zum heutigen Tag. Immer noch gibt es bürgerliche konservative Mitglieder der Gesellschaft, die gerne alles liberalisiert hätten und alles unter privater Fuchtel organisiert sähen. Sie sehen nur die Ausgaben für Steuern und andere Staatsabgaben, die sie doch lieber an der Börse verbraten würden, doch den Nutzen, der ihnen von morgens früh bis abends spät zukommt, den negieren sie konsequent.
Planung eines künftigen Börsenkollapses
Ich sage voraus, dass die Weltbörsen innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre mit noch nicht vorauskalkulierbaren Folgen kollabieren werden und ich kann diese Behauptung beweisen.
1. Beweis: Moral der Börse
Worum geht es eigentlich beim Börsengeschäft? Ein naiver Mensch wird sagen, es gehe um den Handel mit Anteilen an Firmenkapital. Doch dieser Ansatz des Denkens beweist mir nur, dass dieser Mensch wirklich nicht in der Realität des Seins im Jahr 2001 lebt. Der wirkliche Zweck der Börsen ist es, mit Geld weiteres und wenn möglich mehr Geld zu machen. Es geht um Casino, es geht darum, der Wirklichkeit ein Schnippchen zu schlagen und aus einem Einsatz mehr zu machen als vor dem Deal vorhanden war, und wenn möglich einen Gewinn und keinen Verlust zu erzielen. Im weiteren scheint kein Mensch zu verstehen, dass jeder Börsengewinn mit einem Börsenverlust verbunden ist: Steigt die Börse, hat der Kaufende den Gewinn gemacht, während der Verkäufer diesen Gewinn eben nicht macht. Sinkt der Börsenkurs, so verliert immer jener, der eine Aktie kauft, die am nächsten Tag schon weniger wert ist, während der Verkäufer des Titels diesen Verlust vermeiden kann. Natürlich sind die Vorgänge komplizierter und mehrere Börsenteilnehmer können einen Gewinn beim Steigen aufteilen respektive beim Niedergang einen Verlust ebenso. Aber wichtig ist der Grundsatz: Keine Gewinner können entstehen ohne Verlierer in genau gleicher Höhe der Beträge, alles ein Nullsummenspiel. Nur solche Menschen, die über Mittel verfügen, also Mittelstarke, können überhaupt hoffen, beim Millionenspiel des Börsencasinos mitzumachen. Dies ist nicht nur undemokratisch, weil Mittellose nie eine Chance eines langfristigen Börsengewinnes haben werden, und dies ist die ganz grosse Mehrheit der Menschheit. Schon eher werden sie Opfer der von IWF, WTO und Weltbank diktieren Schulden- und Zinsenfallen. Dies zeigt den wahren Skandal einer geschlossenen Gesellschaft von gedankenlosen, nur am Geld interessierten "Siegern", die eine Geldvermehrungsmaschine, genannt Kapitalismus der Konkurrenzlosigkeit, betreiben. Wer nur dem Geld nachrennt, denkt nicht, er verblödet, macht nichts Nützliches, arbeitet nicht, schafft keine Realwerte, keine Kulturwerte, er ist ein Parasit an der Menschheit. Wenigstens vernichtet er am Computer beim Geldcasino keine ökologischen Werte. Doch dies ist ein schwacher Trost und keine Rechtfertigung für geldpolitischen Wahnsinn und Geldgier der dummen Denkart.
Börsentipp an NGOs
Die NGO unternehmen alles, damit die Fehlentwicklungen der anderen weltumspannenden Organisationen, zum Beispiel des IWF, der Weltbank oder der WTO, endlich ein Ende nehmen. Doch dazu brauchen sie Geld, Kapitalien, sie sind also auch dem Denksystem dieser Organisationen ausgeliefert. Doch wenn schon, dann sollten sie es intelligent angehen, wenn sie das bestehende System aus den Angeln heben wollen. Jedermann ist klar, dass die heutigen Börsenwerte der Aktien darauf basieren, dass unvorstellbar hohe und lediglich erhoffte Zukunftsgewinne - in allen Branchen, nicht nur im irrealen E-Commerce-Business - im Aktienpreis kapitalisiert sind. Sobald erkannt wird, dass diese nicht erreicht werden können, wird eine Breakdown-Spirale in Gang gesetzt werden, die im Vergleich mit dem Crash anno 1929 wie ein Sturm im Vergleich mit einem Lüftchen sein wird. Eine Geldvernichtung wird vonstatten gehen, die sich ein denkender Mensch heute noch kaum vorstellen will.
Als Vorgeschmack ein kleiner Exkurs über die Börsen-Intelligenz der Gigantomanen in unserer Zeit: Im Jahr 2000 ist die E-Commerce-Euphorie ausgebrochen. Unternehmen mit einigen Millionen Dollar Umsatz und Millionenverlusten werden an der Börse mit Milliardenwerten kapitalisiert. Melomanische Jungdynamiker und Krawattenständer ohne weisse Socken und mit Glanzschuhen bremsen die alten Weisen und die weisen Alten des Wirtschaftslebens aus. Innerhalb kürzester Zeit werden unbedarfte Zeitgenossen zu Millionären und gehen dann in Konkurs. Ein Beispiel aus nächster Nähe verfolgt: Ein junger Manager steigt mit Siegermiene in diesen Wahnsinnsmarkt ein, kauft sich einen Porsche aus unrealisierten Börsengewinnen und bettelt am Ende vor meinen Augen seine arme Mutter um ein Darlehen an, um Lebensmittel einkaufen zu können.
Zeitbomben des Reichtums
- Steuerfreiheit für die gigantischen Kapitalgewinne, während des Menschen Arbeit und deren Entlöhnung - besonders in der Mittelklasse - hoch besteuert wird.
- Abschaffung von Erbschafts- und Schenkungssteuern, damit die faulen Erben des vorhandenen und vielfach gestohlenen Reichtums noch rascher noch reicher werden, zum Schaden der Nicht-Erben.
- Börsengewinne werden mit immer weniger Lasten bei Kauf und Verkauf der Titel bewerkstelligt. Wer schon reich ist, bekommt von den Banken die billigsten Konditionen zugesagt.
- Der Bluff mit neuen Reichtumsgebieten wie E-Commerce, Telefon- und Internetwahn, biologische und genetische Verforschungs-Industrialisierung werden hochgejubelt, die Reichen verkaufen ihre Aktien rechtzeitig aufgrund interner Kenntnisse und realisieren Riesengewinne und die dummen Outsider bezahlen die Zeche des Gelages der Superreichen.
- Die Reichen kaufen Villen in Landschaften, die der Öffentlichkeit eigentlich weggestohlen werden, und können alle Wohnkosten an den Steuern in Abzug bringen, während die Mieter keinen Rappen an Wohnkosten in ihren Steuererklärungen erwähnen dürfen. Damit subventionieren die armen Mieter die reichen Hausbesitzer (die sogar die Frechheit hatten, gegen eine rudimentäre steuerliche Eigenmiete vom Felde zu ziehen zu weiteren Lasten des Mittelstandes und der Armen).
Dies sind nur einige der "Verbrechen" der Reichen an der Allgemeinheit, die durch keine freiwilligen Spenden, Sponsorentum oder Überlassung von Erbschaften in Stiftungen aufgewogen werden können. Solche Zückerchen sind reine Augenwischerei, damit die sozial Benachteiligten ruhig bleiben. Was wir erleben, durch die politische Macht der Nimmersatten, ist im Gegenteil:
- Enteignung der Landschaft durch Privatisierung, deren Effekte ich in einem anderen Text in diesem Buche sehr genau umschrieben habe.
- Entlassung von Arbeitern und Angestellten, die dem Shareholder Value Denken im Wege sind, gefolgt von der politischen Durchsetzung von Kürzungen der Arbeitslosenunterstützung an eben diese Opfer des Systems durch Steuersenkungen für die Reichen. Die Steuerzahler des Mittelstandes finanzieren somit ihr eigenes Unheil.
Schafft das Geld ab!
Die ideale Gesellschaft funktioniert ganz ohne Geld und Börse und zwar wie folgt: Aufgrund einer Planphase von nur einem Jahr wird entschieden, dass alles Geld abgeschafft wird auf den 1. Januar eines Jahres. Die Leute behalten ihre Häuser und Wohnungen, bezahlen keine Miete mehr und erhalten Essen und Trinken, Energie, Wasser etc. nach einem Plan, der jedem Mensch das gibt, was nötig ist, um etwa wie vorher zu leben. Allerdings: Luxus wird abgeschafft oder nur noch für spezielle Leistungen zuerkannt. Kein Individualverkehr mehr, keine Flugreisen, keine Atomkraftwerke, überall Solarheizungen, Naturstrom, überall Leben bei guter Lebensqualität auf tiefstem Niveau im Vergleich zum vorherigen, absolut unnötigen Überluxus des Lebens.
Bedingung: Am 3. Januar des besagten vorbestimmten Jahres gehen alle Leute genau den gleichen Beschäftigungen nach wie zuvor bei vollem Lohn, nur erhalten sie ab jetzt kein Gehalt mehr, haben aber auch keine Ausgaben mehr. Die Logistik ist nicht viel schwieriger, wie zum Beispiel die Einführung des EURO in Europa im Jahr 2002. Jene, die keinen Job mehr haben, in Branchen der Selbstdestruktion wie zum Beispiel die unnütz gewordenen Reise- und Verkehrsbetriebe, werden umgeschult und erleiden in der Zwischenzeit keinen einzigen Nachteil, sie sind berechtigt, ihre Wohnungen zu bewohnen und zwar gratis und ihre Essens- und Trinkrationen abzuholen wie jeder beschäftigte Mensch. Eine andere Betrachtungsweise wäre unethisch und dumm. Wer nicht arbeiten mag, aus guten Gründen, wird nicht seinem Schicksal überlassen, sondern jetzt nicht mehr Berufstätige kümmern sich um diese Menschen, sorgen für Inspiration für Beschäftigungen, die Freude bereiten und der Allgemeinheit Nutzen bringen. Wer sich dieser Aufgabe entzieht, muss mit kleinen Nachteilen rechnen, zum Beispiel Zuweisung einer kleineren Wohnung, doch ins Elend wird er nicht gestürzt werden. Privilegierte, die in grossen Villen leben mit Pärken darum herum, behalten diese Besitztümer solange, bis eine andere Verwendung gefunden wird und diese vormaligen Besitzer einen Lebensstandard zugewiesen bekommen, der ihren Verdiensten entspricht. Überall in der Welt werden Ethikkommissionen gebildet, die Entscheidungen treffen, die angefochten werden können vor höheren Ethikgerichten, doch absolute Gerechtigkeit in Messeinheiten wird es nicht mehr geben, weil diejenige "Gerechtigkeit", die unter der Geldwirtschaft geherrscht hatte, die grösste Ungerechtigkeit war, die die Welt je gesehen hat. Deshalb ist die Kompromissbereitschaft aller Menschen solange gefordert, bis sich eine Art natürlicher Gerechtigkeit etabliert haben wird, die von allen Menschen als vernünftig und logisch anerkannt werden kann.
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