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Wege zur Macht - weg von der Realität

Ein Weg zur Macht oder zur Erkenntnis des Realen?


Müsste ein Philosoph heute nicht alle Fähigkeiten der Welt, aller Berufe, aller Wissenschaften, aller Lexiken und aller geistigen Vorgänge besitzen, BEVOR er an eine Gesellschaftskritik gehen kann? Ist er nur berechtigt, sich zu Fehlentwicklungen der heutigen Gesellschaft zu äussern, wenn er den totalen Durchblick besitzt - sozusagen als letztverbliebenes Universalgenie auf diesem Planeten? Diese heute akzeptierte Theorie ist natürlich Unsinn, denn die fundamentalen Irrtümer in einer Gesellschafts-"Ordnung" zu erkennen vermag jeder, der fähig ist zu denken. So wie ein Hitler, Milosevich, Pinochet oder Reagan fähig war, ganze Völker zu regieren, als kaum durchschnittlicher Denker, so kann ein Jeder erkennen, wie die Funktionen einer Gesellschaft ineinander greifen. Kein Machtmensch war je intelligent genug, um sich anmassen zu dürfen, über viele Menschen ein Machturteil abgeben zu können. Die Machtausübung einzelner Individuen über Menschen und Systeme ist die Hauptursache unserer gesellschaftlichen Fehlentwicklungen.

'Schöne neue Welt'

Heute, den 31. Dezember 2001, Peter Drucker gelesen, genauer den Artikel "Die Gesellschaft von morgen". Herrlich, wie dieser als grösster Wirtschaftsdenker des ausgehenden Jahrhunderts bezeichnete Mensch es versteht, Optimismus zu verbreiten: Wachstum von Reichtum, Wissen,  Arbeit,  Konzernen, Supermanagern, Schulen der Informatik und der Zukunftswirtschaft. Mehr Fortschritt, mehr Freiheit, mehr von allem, keine Blässe des Zweifels, eine Welt der Erfolgreichen der westlichen Welt, die es geschafft hat und dafür sorgen wird, dass bald einmal die ganze Welt es schaffen wird, eben, dass es uns in Zukunft noch allen besser gehen wird, dank mehr Wissen, mehr Information, dank den Wissensarbeitern in Wissensorganisationen einer total neuen Art. Wir wandern ab in eine Welt der totalen Machbarkeit des Glücks, universitär behandelt vom grössten Denker unserer Zeit. Jetzt verstehe ich endlich: Ich bin ein Idiot. Warum mache ich mir Gedanken über die Zukunft unserer Menschheit, wenn Peter Drucker alles schon gelöst hat, die Zukunftsängste, die Zukunftsarbeitsstellen, die Zukunftsmanager des Machbaren? Ich muss wohl blind und taub gewesen sein gegenüber den Realitäten des Seins, hervorgebracht aus einer eingeschränkten Denkwelt eines grossen Denkers dieser Zeit, eines Denkers, der vom Machbarkeitswahn des Bestehenden geistig völlig eingekerkert ist.

Zivilisationsschock eines Lebens

Die letzten 50 Jahre waren die Jahre mit der wahnwitzigsten Entwicklung der Menschheit in jeder denkbaren Hinsicht. Am eigenen Leben ist dies nachzuvollziehen: als kleiner Junge in der beschaulichen, fast verkehrsfreien Schweizer Stadt Zürich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs die ersten Jahre der Wahrnehmung erlebt. Dann im Zürcher Oberland im hintersten Weiler die urarchaische Landwirtschaft mit Pferdefuhrwerken, Pflügen, Sensen, Kühen, Schweinen und Kälbern als Verdingbub verinnerlicht, in einer Achtklassenschule drei Schuljahre im selben Zimmer verbracht. Dann zurück in die schon etwas lebhaftere Stadt Zürich - auf den Quartierstrassen kann noch Fussball gespielt werden, Parkplätze findet man jederzeit selbst vor dem Hauptbahnhof - um sich in den Adoleszenz- und Pubertätsjahren prägen zu lassen. Sekundarschule, kaufmännische Berufsschule, Welschland-Aufenthalt, Militärausbildung als Kanonier in französischsprachiger Einheit, vorwärts geworfen in das schnell wachsende und immer mobiler werdende Genf, dann wieder zurück ins Karriereleben nach Zürich, Heirat, Kinder, erstes Fernsehen, erstes Auto, erste Auslandreisen, erste Flugreisen, Lochkartensysteme, dann schon EDV-Systeme der schnelleren Art, Diplome, Chefpositionen und dann die Realisierung einer Beschleunigung ganz besonderer Art: Jungdynamiker übernehmen das Ruder, Börsenwahn, schnelles Geld, steile Karrieren, immer häufigere Konkurse, Unsicherheit in allen Dingen, Liegenschaftsboom (Kollegen werden reich, kaufen Porsches und machen Konkurs, sobald die Immobilenwerte kollabieren), Neoliberalismus, Reagan, Thatcher, Globalisierung, Internet, Gentechnologie, Grosskatastrophen, Kernkraftwerke, Grossflugzeuge, immer grössere Umweltschäden, die immer mehr verniedlicht werden, überquellende Autobahnen und Flughäfen, Beinahezusammenstösse in der Luft, fröhliche Verkehrsstaumeldungen den ganzen Tag lang, Sport- und Boulevard-Hypes werden über wirklichkeitsnahe Berichterstattungen guter Zeitungen erhoben, AIDS (jahrelang von Medien und Wissenschaftern herunter geredet), BSE (die politischen Entscheidungsträger sagten ihren Völkern während Jahren, die Krankheit sei nicht auf Menschen übertragbar!), andere bestehende und noch kommende Schwächen des Immunsystems, Misstrauen in den Verzehr vieler Nahrungsmittel wegen Verseuchung mit Antibiotika und chemischen und biologischen Rückständen, die den stärksten Mann aus den Socken hauen und uns alle noch immuner machen gegen jede Art von Medizin, psychische Schwächung und Verunsicherung immer grösserer Teile der Bevölkerung wegen Stress- und Paniksymptomen, die auf eine Überforderung unserer Wahrnehmungskraft verweisen, und schliesslich immer mehr Superreiche und Superarme, die sich eines Tages gegenseitig auffressen werden, immer mehr Kriminalität, Zynismus und Gleichgültigkeit der Völker und ihrer egoistischen Vertreter, und alles wird apathisch hingenommen von den Massen auf unserer übervölkerten Kugel, die im Weltall ihre ewig gleichen Kreise zieht

Mitläufer des 'Regimes'

Ich kann sie nicht mehr hören, diese Heuchler der Westlichkeit und des Kapitals, wie sie über jeden Intellektuellen, Künstler oder Schriftsteller aus der Sowjetunion und besonders aus der Ex-DDR als Massstab aller Dinge und als Fallbeil der Beurteilung die ominöse Frage stellen, ob diese Leute zum "Regime" gehört hätten. Je nach Antwort sind diese Menschen weg vom Fenster, im siegreich gebliebenen System des Geldes oder sie werden gnädigst aufgenommen in die von uns als "ideal" erklärte Welt als wertvolle Widerständler gegen ihre gewesene Wirklichkeit. Die selben Leute, die sich nicht ein einziges Mal in ihrem Leben vorstellen konnten, dass man seine Heimat dort hatte, wo man lebte, sich anpasste und darüber berichtete, auch wenn es ein anderes Regime als das westliche war, diese Leute also wagten ein Leben lang nie, den Wahnsinn des Gelddenkens und der Übereinkunft, dass alles hier in Ordnung sei, zu hinterfragen, also die westliche Diktatur der dummen Mehrheiten, genannt Demokratie, die Diktatur der Reichen, genannt Kapitalismus, die Diktatur der Dummen und Machtgierigen, genannt Politik, die Diktatur der Wissenschaftler, genannt Fortschritt und die Diktatur der Wirtschaft, genannt Wachstum, in Frage zu stellen und sie brachten nie den Mut auf, diese Fehlentwicklungen ebenfalls so zu verdammen, wie sie von einem anderen siegreichen System einer Gesellschaftsordnung der sozialen Denkart hätten verdammt werden können.

Phantasien der neoliberalen Privatisierer

Unter dem Neoliberalismus ist die Phantasie der Privatisierer grenzenlos. Ihre Logik geht wie folgt:  Jedes vom Staat geführte Unternehmen, verwaltet von Beamten und gesichert durch die Arbeit von Staatsangestellten, ist des Teufels, kostet eine Unmenge an Steuergeldern, die Mittel solcher Betriebe werden a priori - so wird unterstellt - schlecht verwaltet und die Leistungen seien hundsmiserabel. Soweit das Weltbild bürgerlicher Hirne, die durch private Gewinne mit ihren Geschäften, mit Immobilien oder an der Börse reich geworden sind und deshalb den Unterschied von Privatwirtschaft und der Sicherung von Lebensbedürfnissen einer Allgemeinheit, die aus der Gesamtbevölkerung besteht, nicht sehen können. Doch ihre ideologische Blindheit ist so perfekt, dass sie nicht anders können, als ihre Theorien auch unter jenen konservativen Mitbürgern zu verbreiten, die keineswegs reich sind, aber gerne daran glauben wollen, dass der "Staat", den sie mit sich selber nicht identifizieren wollen, wirklich des Teufels sei und sie nur berauben wolle.

Daher besteht das beste Mittel, mehr Effizienz und Profite zu schaffen - ein Modell, das von Vorläufern wie Thatcher und Reagan vorexerziert worden ist - im Vorhaben, alle Dienstleistungen des Staates privaten Aktionären und ihren Managern zu überlassen. Dann kommt, so glauben sie, endlich rationales Denken in die ganze Geschichte, obschon man die Krisen der Bahnen in England kennt, der Elektrizitätswirtschaft in Kalifornien, der gewaltigen Probleme mit Transport, Wasser, Energieversorgung usw., die überall in der Welt entstanden sind, wo Staatsbetriebe in die Privatwirtschaft entlassen wurden.

'New Speak' der politisch Korrekten

Es findet schleichend eine geistige Anpassung nach unten statt. Der Preis der Sozialisierung der Armen und Dummen ist die "politische Korrektheit" und ihre Sprache, die New Speech. Wenn früher etwas von den gebildeten Menschen geschrieben oder gesagt worden ist, wurde ohne Umschweife der eigentliche Inhalt der Sache begriffen, aber auch der eventuell vorhandene doppelte Boden, die sich selbst verstehenden Einwände, das Eingebettetsein in einen komplizierten Zusammenhang und vieles mehr.

Aus den USA kam die Idee, dass nun alles so daher kommen müsse, dass sich kein Mensch mehr missverstanden oder gar verunglimpft fühlen darf. Eine saubere politische Korrektheit in Ausdrücken und Sprache wurde angestrebt. Frauen zählen scheinbar jetzt mehr, seit man sie zu ManagerInnen, UnternehmerInnen und BörsenberaterInnen umfunktioniert hat. Die Sprache wertet das Feminine auf, ohne die Frau als weibliche Gattung des Menschen auch nur einen Deut aufzuwerten. Ein Selbstbetrug auf der ganzen Linie. Neger sind keine Neger mehr, sondern Schwarze. Gehen wir dieser Korrektheit auf den Grund: Jedes Kind verstand, dass ein Neger ein dunkelhäutiger Mensch aus Afrika ist, verstand den Begriff sofort als ethnische Zuordnung. Der negative Unterton leitete sich nicht vom Begriff ab, sondern von dem auch heute gegen Schwarze immer noch vorherrschenden Überlegenheitsgefühl des weissen Menschen. Heute ist der Neger ein Schwarzer. Warum? Weil er schwarze Haut hat oder ein schwarzes Gewissen? Schwarz ist neutral?

Heuchelei in der geschichtlichen Wahrnehmung

Schon immer gab es in der Geschichte Machtverhältnisse, die eine ungetrübte Wahrnehmung auf die tatsächlichen politischen und geschichtlichen Verhältnisse nicht zuliessen. Immer wenn eine grosse Weltmacht das Sagen hatte, zählten andere Völker fast nichts: Das Alte Rom, das Perserreich, die Machtgebiete unter Karl dem Grossen im Mittelalter, Frankreich unter Napoleon, das Habsburgische Reich, das Weltimperium Grossbritanniens, das Hitler-Deutschland, das Prachtpaar der verflossenen Sowjetunion und der noch heute allmächtigen USA, als letzte uns bedrohende Weltmacht. Es fällt zwar nicht sofort auf, doch an einigen Beispielen kann man erkennen, dass die USA heute in militärischen, politischen, ökonomischen, ökologischen und somit auch in geschichtlichen Dimensionen der ganzen Welt den Tarif durchgeben. Zuerst wurde das riesige Sowjetreich wirtschaftlich und militärisch in die Knie gezwungen, dann wurde der ganzen Welt das neoliberale Kapitalsystem aufgezwungen, und zwar genau in der verblendeten gierigen Sichtweise der grossen USA und ihrer Politiker und Wirtschaftsgiganten. Sogar Russland und China mussten diesen Weg nehmen, um keinen wirtschaftlichen Schaden zu erleiden. Militaristisch zittert heute die ganze Welt nur noch vor einer Weltmacht, den USA. Dieser Staat kann und könnte in Zukunft der ganzen Welt diktieren, wie sie sich zu benehmen hat und wohin die zur Neige gehenden Rohstoffe und alle Rest-Ressourcen zu fliessen haben. Auch im Kleinen zeigt sich diese Allmacht: Israel hätte keine Chance gegen die Araber und deren Willen, den Palästinensern wieder ihre Heimatrechte zurückzugeben. Afghanistan wäre nicht von den Russen unter hohen Menschenverlusten "befreit" worden mit den Folgen, die man heute kennt, und viele Militär- und Rechtsdiktaturen wären seit 1950 nicht an der Macht geblieben und hätten Volksschänderei betreiben können am eigenen Volk ohne den antikommunistischen Wahn der USA und ihrer Politik.

Die Welt schlägt zurück

Eine unfassbare Katastrophe ist gestern am 11. September 2001 in New York passiert, ein Datum, das in die ewige Geschichte der Menschheit eingehen wird. Formell ist folgendes geschehen: Zwei Flugzeuge wurden von Terroristen in die Türme des World Trade Centers gesteuert, worauf diese Gebäude in Feuer aufgingen und nach etwa einer Stunde zusammenkrachten. Dabei wurden möglicherweise Tausende von Menschen getötet. Später wurde ein Grossflugzeug voller Passagiere auf das Zentrum der militärischen Macht dieser Welt, das Pentagon in Washington, geworfen, wobei ein Teil in Flammen aufging und ebenfalls zusammenbrach und etwa 1000 Menschen den Tod fanden.

Die Bilder wurden während des ganzen Tages in die Stuben der Welt geschickt. Sämtliche Fernsehsender sprachen nur noch über dieses Ereignis. In aller Eile werden "Amerikakenner " in die Studios gelotst und endlos ausgefragt über die spekulative Täterschaft, die Möglichkeit, dass trotz des besten Geheimdienstes der Welt diese unglaublich komplizierte logistische Leistung erbracht werden konnte, die politischen und wirtschaftlichen Folgen dieses Geschehens und die möglichen Reaktionen und Vergeltungspläne des Präsidenten. Nicht gesprochen wurde davon, wie es möglich ist, dass der Hass gegen die mächtigste Nation der Welt dahin führte, dass offenbar während Monaten, wenn nicht gar Jahren diese Anschläge minutiös geplant werden konnten und in dieser langen Zeit offenbar keine Gründe zu finden waren, diese schauerliche Tat abzusetzen. Sofort wurde die Täterschaft in palästinensischen Kreisen oder beim Schreckgespenst Osama Bin Laden in Afghanistan vermutet. Doch schon in der Vergangenheit wurden immer wieder solche "Schurken", als Lieblingsschreckbilder der Welt aus der Sicht der USA, zuerst angeprangert und später stellte sich heraus, dass die Täter inländische Fanatiker waren.

GW Bush - Orfeigenkaskade

Wie erklärt man den Nachgeborenen die Machtpyramide zu Beginn des dritten Jahrtausends? Eigentlich ganz einfach: Man erklärt ihnen, wie Macht zu Stande kommt im reichsten Land der Erde just zu diesem Zeitpunkt. Sittenbild: Ein Präsident der USA sollte gewählt werden. Über dreissig Tage nach dem Wahltag besteht immer noch ein Patt zwischen Al Gore und George W. Bush, weil beide fast gleich viele Wählerstimmen erhalten haben in den USA und vor allem im Staate Florida. Würde nachgezählt, und zwar ganz genau mit allen Wahlzetteln, die die uralten Maschinen nicht lesen konnten, dann wäre wahrscheinlich Al Gore der Sieger. Nachdem aber die Gegenpartei Bush alles in Bewegung setzte, damit diese Nachzählung als "illegal" taxiert wird, kommt nun der arme Bush ins Amt der zurzeit mächtigsten Nation der Welt. Und würde damit mächtigster Mensch auf diesem Erdball. Würde er?

Eben, die Ohrfeigenkaskade-Theorie steht dieser Irrmeinung im Weg. Es besteht klar eine Machtpyramide in der Welt, die aber nur von Wenigen tatsächlich im ganzen Ausmass gesehen wird. Deshalb beginnen wir am Anfang: Obschon sich die Programme der Möchtegern-Präsidenten kaum unterscheiden, buttern die Wirtschaftsmächtigen Milliarden von Dollars in die Kampagnen ihrer Lieblinge. Sie erwarten als Gegenleistung, dass diese - einmal an der Macht - dafür sorgen, dass möglichst viele Waffen exportiert, Zigaretten und Schnaps verkauft, Landwirtschaftsbetriebe in den Konkurs getrieben werden, nur die Reichsten von Steuerermässigungen profitieren, immer noch die Hälfte der Bevölkerung keine Gesundheitsfürsorge hat, wie dies ein fortschrittliches Land verdienen würde, die Umweltschutzgesetze im Argen liegen bleiben, den übrigen Ländern die Regeln der Globalisierung diktiert und die mächtigen US Konzerne noch mächtiger werden - und beide, Al Gore und Bush - haben im Prinzip zugestimmt, dass diese Spendengeber völlig im Recht seien, für ihr gutes Geld entsprechende Resultate zu sehen. Also verohrfeigt die Wirtschaft die Politik. Ganz einfach, die oberste Stufe der Machtpyramide steht. Doch da ist doch noch die dritte Kraft im Staat, die Juristerei. Und die erste Macht, das Volk. Ja dann schauen wir doch staunend zu, wie diese "Mächte" sich so entfalten können:

Fehlurteil der Schein-Grünen

Die politischen "Grünen" und ihr Fehlurteil


Seit Beginn der Existenz von grünen Parteien fragte ich mich, wie sie ihre politischen Ideen und Grundsätze in der politischen Landschaft umsetzen würden. Mir war immer klar, dass die wahre grüne Idee nur fundamental funktionieren kann und jedes Arrangement mit irgendwelchen Parteien Verrat sein würde an der Idee, die Welt ökologischer gestalten zu wollen. Ich habe recht behalten, denn alles, was diese Ökoparteien in die Welt setzten, waren gutgemeinte Ratschläge der kleinen Schritte zu einer sauberer werdenden Umwelt, ohne sich klar zu werden, dass damit gar nichts gewonnen werden kann.

Dieser Ansatz des Wollens konnte nie funktionieren, weil die Macht des technologischen Fortschritts und der Massenproduktionen so gewaltig ist, dass sich diese gewalttätigen Formen des Gesellschaftslebens unmöglich reversieren oder nur schon abdämpfen liessen durch grüne Ideen. Und so kam immer Applaus von der falschen Seite. Immer wurden die "Grünen" dann gelobt vom politischen Establishment, wenn sie alle ihre Prinzipien verrieten, mit anderen Parteien an die Macht strebten und dabei so anpasserisch wurden, dass von den ursprünglichen Grundideen nichts mehr übrigbleiben konnte. Die besten Köpfe verliessen nach kurzer Zeit die Partei und was blieb, waren die üblichen pragmatischen Hohlköpfe des Anpassertums, die es schon in allen anderen Parteien zu Hauff gab, machtgierige Streber, die zuerst Anerkennung von aussen anstrebten und dann - vielleicht - auch denkerische Fähigkeiten in ihrem eigenen Innern als gar nicht so übel für ihre Zwecke befanden. So entstand eine politische Macht der Mittelmässigkeit, die bestenfalls von Mittelmässigen repräsentiert werden konnte.

Schurkenstaaten

Die USA haben einen neuen Begriff, jenen des "Schurkenstaates" erfunden. Dieser Staat brauchte unbedingt neue Feinde, nachdem die Sowjetunion als Feindbild weggebrochen war und die Amerikaner eine neue Identität als grösste Nation der Welt suchen mussten. Kurioserweise fanden sie nur zwei wirklich kleine Staaten als Schurken, den Irak und Nordkorea. Eigentlich humorig, die Privilegierung dieser Länder als Feindersatz für die grosse "Russland-Plus"-Version eines echten Feindes. Was ein echter Cowboy sein will, braucht einen richtigen Indianer vor die Flinte. Doch wenn dieser ausgewandert ist, genügt auch der Hund des Indianers.

Zudem träumen die Amerikaner von einem enormen Luxus, der nur aus enormem Grössenwahn und Reichtum resultieren kann. Dieser Luxus heisst: "Unverwundbar sein wollen", was heisst: nie von einem anderen Staat in Stücke gerissen werden können. Und für den nuklearen Schutzschild braucht es ein Alibi, eben: Irak und Nordkorea als gemeingefährliche Schurken, die Raketen senden könnten. Sehr viel später wird man entdecken, dass es Schurkenstaaten gab, zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Nennen wir einige davon: China. Es hat dem Kapitalismus und der Versuchung des Geldes Tür und Tor geöffnet und wird damit dem eigenen Volk eine Falle stellen, aus der es sich kaum wird retten können. Deutschland: Es hat sechs Millionen Menschen brutal getötet und nie einen politischen Preis dafür bezahlt. Indien: Hier lässt man der Eigenbevölkerung freien Vervielfältigungslauf und ermordet sich und deren Zukunft damit selber.